Wirtschaftsnobelpreisträger und das Wiener Kaffeehaus

Was verbindet ein Wiener Kaffeehaus mit den Erkenntnissen von Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman? Darauf stoße ich gerade bei der Vorbereitung eines neuen Trainings zur Burnout-Prävention.
Denn der eine, Kahneman, erklärt auf wunderbar nachvollziehbare Weise, warum wir nicht immer vernünftige und für unsere Wohlbefinden sinnvolle Entscheidungen treffen.
Ja warum es geradezu in unserere Natur liegt, nach einem anstrengenden Tag voller kluger Entscheidungen, das genaue Gegenteil zu tun; warum wir für unseren Körper sehr unkluge Entscheidungen treffen und uns zum Beispiel auf ein richtig fettes Essen zu stürzen. (Kahnemann “Schnelles Denken, langsames Denken.”)

Das andere (das Wiener Kaffeehaus) zeigt, wie eine über lange Zeit gewachsene Kultur in der Lage ist, genau hier zu helfen. Indem sie vernünftige Entscheidungen einfach macht. Das Glas Wasser, das gleich mit dem Kaffee gereicht wird, verführt uns geradezu dazu, es zu trinken. Und es bedarf keines Einsatzes knapper Vernunftressourcen, damit wir dies auch tun. Vernünftiges Verhalten per default sozusagen.

Vergleicht man das mit der Realität von Besprechungen in vielen Büros, wird schnell klar wo Verbesserungen möglich sind: Neben der Kaffeetasse steht die Kanne mit dem unbegrenzten Kaffee-Nachschub, also gießt man sich nach, ohne viel darüber nachzudenken.
Denn das Wasserglas steht vielleicht noch vor mir, für die Wasserflasche aber müßte ich schon aufstehen und auffallen. Und wer will das schon? Abgesehen davon, dass es eine bewußte Entscheidung erfordern würde, die, so Kahnemann, umso schwieriger wird, je mehr vernünftige Entscheidungen wir heute schon getroffen haben.

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